Epistemic Violence in the Context of Digitalization
Epistemic Violence in the Context of Digitalization

Epistemic Violence in the Context of Digitalization

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Epistemische Gewalt im Kontext der Digitalisierung

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Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird innerhalb der Thematik der Dekolonialisierung die Fragestellung untersucht, inwieweit sich epistemische Gewalt im Kontext der Digitalisierung manifestiert, bedingt durch die anhaltenden Auswirkungen des Kolonialismus und des Mythos einer gewaltfreien Wissenschaft. Hierbei wird die Digitalisierung als ein Projekt der Moderne betrachtet, während der Begriff der epistemischen Gewalt sowie dessen Ursprung erläutert wird. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, epistemische Gewalt im Zusammenhang mit der Digitalisierung zu identifizieren. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, auf eine Form von Gewalt aufmerksam zu machen, die in der Disziplin der Anthropologie und postmodernen feministischen Wissenschaftskritik thematisiert wird. Diese Hausarbeit entstand im Rahmen des Seminars „Current Debates in Anthropology“ unter der Leitung von Prof. Dr. Sahana Udupa im WiSe23/24.

Digitalisierung im Projekt der Moderne

Die Digitalisierung ist in Ländern des globalen Südens nicht nur Teil der Modernisierung, sondern auch ein Déjà-vu der Strömung der Moderne mit einem kolonialen Beigeschmack. Die Moderne als Projekt der Entwicklung wurde sowohl über die Strukturen des Kapitalismus als auch des imperialen Kolonialismus ausgeführt. Die Moderne ist nicht abgeschlossen und dauert bis heute an, insbesondere in den Domänen der Wissenschaft oder der Ökonomie. Dieses Kapitel gedenkt den (I) Cartesianischen Dualismus als Teil der spezifischen Logik des Kapitalismus vorzustellen, (II) auf die Materialität des Internets hinzuweisen und (III) die Auswirkungen sowie Ausmaße der (globalen) Arbeitsteilung zu skizzieren. (I), (II), (III) beschreiben weitreichende Elemente, die im Zusammenhang ein Machtgefälle und eine materielle Asymmetrie zwischen Ländern des globalen Südens und dem Westen herstellen, die sich oft einer Kritik in den Wissenschaften entziehen. Sie bilden mitunter den Ausgangspunkt für epistemische Gewalt.

(I) Die Moderne liegt dem sogenannten Cartesianischen Paradigma zugrunde – einer Denkart, die seinen Ursprung in der westlichen Philosophie findet und das Fundament des Kapitalismus legt. Dieses Paradigma wird in der Literatur von verschiedenen Seiten beleuchtet (u.a. Hall 1995; Latour 2000; Moore 2015; Hornborg 2014; Keilhack 2023). Es beinhaltet unter anderem den Dualismus zwischen Körper & Geist, 4 Natur & Kultur, Objekt & Subjekt, also auch eine Trennung zwischen Objekten & ihrem Verhältnis zu einem Moralsystem (vgl. Hornborg 2014, 124). Relevant für diese Hausarbeit ist gewissermaßen die Erfindung des „Objekts“ als materielles, empirisch-erfahrbares sowie intrinsisch bedeutungsloses Ding, dessen Betrachtungsweise in den Wissenschaften auch als „Objektivismus“ bekannt ist (Hornborg 2014, 125). Das Problem sei dabei die Dekontextualisierung des Objekts, die das kapitalistische Wirtschaftssystem moralisch-neutral rendert (Hornborg 2014, 125, 134). Der exzessive Ressourcenverbrauch und anderweitig verursachte Ausbeutung menschlicher Arbeit wird durch eine Objektifizierung verleugnet (Hornborg 2014, 134) und unter der Rubrik des sogenannten Warenfetischismus in eine Hieroglyphe verwandelt (Marx 1962, 88). Das Cartesianische Paradigma wurde durch die Dominanz des kapitalistischen Systems & Penetration des Kolonialismus nicht zuletzt in periphere Lebensbereiche des globalen Südens integriert, sodass die Evaluierung & Objektifizierung der Natur bei der Ressourcen-Akquirierung erfolgreich outgesourct wurde (vgl. Hornborg 2014, 132–33). Ausgehend vom Cartesianischen Dualismus betrachtet Jason Moore den Kapitalismus als ökologisches Regime, als sogenanntes „Capitalocene“, weil es auf eine epistemische sowie ontologische Art & Weise die Natur organisiert (Moore 2015).

(II) Die Digitalisierung gehört dem Zeitgeist und Projekt der Moderne an und bezieht sich auf die Entwicklung der digitalen Informations- & Kommunikationstechnologien (DICT). Es ist wichtig zu verstehen, dass das Internet nicht immaterieller Art ist, wie der Begriff einer substanzlosen Cloud dies vielleicht evozieren würde (u.a. Carré 2018, 107 ff. Carruth 2014, 339 ff.), sondern fußt auf materiellen Säulen der DICT, der DICT-Infrastruktur sowie Rechenzentren (vgl. Grünwald und Caviezel 2022). Der ökologische Fußabdruck des Internets setzt sich dabei aus den Ressourcen für die Herstellung der DICT & der Infrastruktur und dem Energieverbrauch des gesamten digitalen Ökosystems zusammen (u.a. Höfner und Frick 2019). Der ökologische Fußabdruck, der sich auf die CO2 Emissionen bezieht, variiert abhängig vom geographischen Ort sowie vom lokalen Strommix (Siddik, Shehabi, und Marston 2021; Kamiya 2020). Obwohl die Energieeffizienz global im Durchschnitt steigt (Kamiya 2020), so besteht der sogenannte Rebound Effekt darin, dass auch der gesamte Konsum sowie Energieverbrauch wächst (Carré 2018, 110). Die USA hostet 30% aller Rechenzentren der Welt (Siddik, Shehabi, und Marston 2021) und besitzt mit Silicon Valley eine Führungsposition in der Domäne der Digitalisierung (Udupa und Dattatreyan 2023). Eine ausführlichere Recherche sei nötig, um ein Machtgefälle materieller Art zwischen dem Westen und dem globalen Süden im Kontext des Kolonialismus nachzuweisen.

(III) Moderne Technologien, wie Information- und Kommunikationstechnologien, prägen sowie organisieren die Form der (globalen) Gesellschaft (Hornborg 2014, 5 123). Digitale Entwicklung und Fortschritt werden für gewöhnlich mit einer Effizienz der Arbeitsbedingungen sowie einer Geschwindigkeitszunahme im Alltag verbunden, also einer Einsparung von Raum & Zeit: Computer werden immer kleiner und digitale Werkzeuge verkürzen Arbeitsschritte durch Softwareapplikationen sowie KI bei einer stetig wachsenden Interkonnektivität. Hornborg behauptet, dass die Einsparung von Raum & Zeit immer auf Kosten von natürlichem Raum & Arbeitszeit anderswo stattfindet (Hornborg 2014, 122, 130). Mit einem Marxistischen Ansatz be[1]trachtet er dabei die gesamte Wertschöpfungskette der digitalen Geräte holistisch, inklusive der Ressourcen sowie Arbeitszeiten, die für die Entwicklung sowie Erhaltung der digitalen Infrastruktur benötigt werden. Das moderne Wirtschaftssystem basiert auf Strategien, Land & Arbeit umzuwandeln, die in unterschiedlichen Teilen des Weltmarktes unterschiedlich viel kostet (Hornborg 2014, 122). Der imperiale Kolonialismus kann demnach als Aneignung von Raum & Zeit begriffen werden, bei dem ein größeres gegen ein geringeres Quantum an Produktionsraum & Arbeitsstunden ausgetauscht wird und durch die kapitalistische Logik legitimiert wird (vgl. Hornborg 2014, 122).

Der Kapitalismus erschließt sich transnationalen Zugang zu Arbeitsmärkten in Ländern des globalen Südens, auf denen billige Arbeitskräfte verfügbar sind. Dies erlaubt das Outsourcen einfacher Arbeit. Udupa beschreibt die Online Content Moderation des Unternehmens Arvato zur Prävention von Hate Speech in den westlichen sozialen Medien für Facebook (Udupa und Dattatreyan 2023, 109 ff.). Die Arbeitskräfte bestehen hierbei meist aus jungen, ausgebildeten, multilingualen sowie billigen Migrant:innen, die die einfache, repetitive und monotone Arbeit erledigen (Udupa und Dattatreyan 2023, 109, 112). Ihre Arbeitsbedingungen könnten mit dem Marxschen Begriff der menschlichen Entfremdung beschrieben werden; auch sie bleiben meist undurchsichtig für Außenstehende (Udupa und Dattatreyan 2023, 112). Obwohl die Stationierung der Arbeit abhängig von linguistischen Kompetenzen sowie vom lokalen Wissen der Kulturen ist, so erweckt die Arbeitsteilung den Eindruck, als würden sich einflussreiche Eliten und das digitale Proletariat auf der ursprünglich-kolonialen Achse asymmetrisch versammeln (Udupa und Dattatreyan 2023, 108 ff.).

Begriff der Epistemischen Gewalt

Die Etymologie des Wortes „epistemisch“ geht auf das griechische Wort „Episteme“ zurück, welches „Wissen“ bedeutet. Es bezeichnet somit Phänomene oder Konzepte, die mit dem Erwerb, der Struktur und der Überprüfung von Wissen verbunden sind. Demgegenüber bezieht sich die Epistemologie als philosophische Disziplin auf ein spezifischeres Konzept innerhalb des epistemischen Rahmens, das sich auf die theoretische Grundlage des Wissens konzentriert. Auf die Frage des Unterschieds zwischen epistemologische und epistemische Gewalt, merkt Brunner an, dass epistemologische Gewalt die Wissensproduktion als isoliertes erkenntnistheoretisches, also rein akademisches Problem betrachtet (Brunner 2020, 79). Während epistemologische Gewalt sich auf eine spezifische Form der Gewalt in der Beurteilung der Wissenschaftlichkeit versteht, so legt der Begriff der epistemischen Gewalt den Fokus auf eine Hierarchisierung des Wissens durch den Kolonialismus und den Kapitalismus (Brunner 2020, 78–79), wie wir später sehen werden.

Der Begriff der epistemischen Gewalt wird in der Friedens- & Konfliktforschung, in der feministischen Wissenschaftskritik und in der Post- & Dekolonialen Theorie verwendet, meist ohne Erläuterung oder Theoretisierung (Brunner 2020, 77–78). Er findet seinen Ursprung in Feministisch-postkolonialen Diskursen bei Gayatri Chakravorty Spivak in ihrem Werk „Can the Subaltern Speak?“ (1985) (Brunner 2020, 77, 97 ff. Spivak 2003, 48 ff.). Dabei trugen das Werk „Orientalism“ von Edward Said als Fundament für den feministischen Ansatz und Foucaults Gewaltanalysen durch die europäische Moderne bei (Brunner 2020, 97, 124). Im Gegensatz zu Foucault hebt Spivak die Unterscheidung zwischen Macht & Gewalt auf (Brunner 2020, 99). Die Feministisch-postkolonialen Debatten um den Begriff der epistemischen Gewalt zielen zunächst darauf, den Mythos einer gewaltfreien Wissenschaft zu widerlegen: Zwar habe Wissenschaft den Anschein das Gegenteil von oder das Gegenmittel für Gewalt zu sein, doch je weiter der Begriff der Gewalt gefasst wird, desto mehr Anzeichen gibt es dafür, dass gerade die Wissenschaft Bestandteil des Problems und der Gewalt ist (Brunner 2020, 13, 148).

Während sich Spivak mit dem Kolonialismus beschäftigt, so fokussiert sich Vandana Shiva in ihrem Werk „The Violence of Reductionist Science“ auf den Kapitalismus. In früheren Artikeln habe ich mich selbst (wenn auch naiv) mit dem Zusammenhang zwischen Kapitalismus und der Herrschaft eines rationalistischen Denkparadigmas mit reduktionistischen Zügen auseinandergesetzt (Keilhack 2023) und empfinde ihren Beitrag deshalb als relevant. Sowohl Kolonialismus als auch Kapitalismus bilden eine prägende Ideologie, die unter anderem den Rahmen der Wissensproduktion beherrschen und dadurch epistemische Gewalt verursachen. In diesem Kapitel werden die Texte von Spivak und Shiva vorgestellt, um den Ursprung des Begriffs der epistemischen Gewalt zu verorten, bevor ich mithilfe von Claudia Brunner dessen Merkmale und Eigenschaften zusammenfasse.

„Can the Subaltern Speak?“

Den Ausgangspunkt des Essays „Can the Subaltern Speak?” (1988) bildet der Selbstmord der Schwester der Großmutter Bhubanesware Bhaduri als sogenannte Witwenselbstverbrennung im Kontext des kolonialen Indiens, zum Ausdruck des Widerstandes für eine nationale Befreiung (Spivak 2003, 58; Brunner 2020, 98). Spivak beobachtet einen hegemonialen Zusammenhang zwischen Wissen & Gewalt, bei dem patriarchale, koloniale sowie lokale Eliten die Wissensproduktion und Wissenschaft beherrschen (Brunner 2020, 99). Die Witwenselbstverbrennung als Zeichen gegen die britische Kolonialherrschaft wurde im Zuge der kolonialen Wissenshegemonie durch eine Verharmlosung „die Frauen wollten sterben“ uminterpretiert, die selbst den letzten Protest-Versuch der Frauen untergruben (Spivak 2003, 48–54). Spivak fragt nach ob und argumentiert schließlich dagegen, dass Subalterne sowie Frauen generell überhaupt die Fähigkeit besitzen für sich selbst zu sprechen (Spivak 2003; Brunner 2020, 100). Eine Subalterne (lateinisch: subalternus, „untergeordnet“, „von niedrigerem Rang“) ist eine Person „ohne die Fluchtlinie sozialer Mobilität“ (Spivak 2003, 42), die also in gesellschaftlichen Strukturen ohne Aufstiegschancen gefangen ist. In der feministischen Kritik des Eurozentrismus wird die Subalterne unfreiwillig zum autonomen Subjekt erhoben, sich selbst vertreten zu können (Brunner 2020, 100). Der Zuspruch der Fähigkeit der Subalterne für sich selbst zu sprechen sei eine romantisierende Vorstellung und würde in der historischen sowie gegenwärtigen Situation den Imperialismus, Rassismus und Diskriminierung ignorieren (vgl. Spivak 2003; Brunner 2020, 100).

Nach Spivak sei epistemische Gewalt die bewusste Exklusion sozial-benachteiligter Personen aus der Wissensproduktion unter dem repressiven System des Kolonialismus, dessen Konsequenzen bis in die Gegenwart andauern (vgl. Spivak 2003). Die koloniale Wissenshegemonie sorgt insbesondere für die Auslöschung bestimmter Subjekte, für ihre Unsichtbarkeit sowie für eine Produktion des Sozialen, und gleichzeitig zielt sie auf eine Reproduktion sowie Normalisierung der Gewalt und Unterdrückung (Spivak 2003, 48, 50; Brunner 2020, 98–99).

„The Violence of Reductionist Science“

In ihrem Werk „The Violence of Reductionist Science” (1987) betrachtet Vandana Shiva die materielle Seite der epistemischen Gewalt, die durch das System des Kapitalismus entsteht (vgl. Shiva 1987; Brunner 2020, 101 ff.). Epistemische Gewalt werde hervorgebracht durch einen wissenschaftlichen Reduktionismus, der als Tendenz mit dem Kapitalismus als Form der ökonomischen Organisation einhergeht und Ausbeutung, Profitmaximierung sowie Kapitalakkumulation befördert (Shiva 1987, 246; Brunner 2020, 102). Diese Reduktion beziehe sich einerseits auf die menschliche Fähigkeit die Natur zu erkennen, wobei alternative Erkenntniswege nicht berücksichtigt werden; andererseits bezieht sich die Reduktion auf die Fähigkeit der Natur, sich zu erholen und zu regenerieren, wobei die Natur als lebloser Gegenstand betrachtet wird (Shiva 1987, 244; Brunner 2020, 102). Der Kapitalismus würde durch sein Paradigma der Effizienz ein universales, wertfreies Wissenssystem konzipieren (Shiva 1987, 246; Brunner 2020, 102). Shiva problematisiert den Dualismus zwischen Naturwissenschaften & Politik, also zwischen materiellen Tatsachen & Werten; sie findet den Ursprung des Dualismus im Cartesianischen Paradigma (vgl. Shiva 1987, 245– 46). Im Zusammenhang mit dem Imperialismus und Wissensmonopol, das auf Krieg ausgerichtet ist, äußert sich epistemische Gewalt insofern, dass Träger:innen, Gegenstände, Empfänger:innen und Wissen selbst Schaden bekommen (vgl. Brunner 2020, 103; Shiva 1987, 243–44). Der epistemische & ontologische Einfluss des Kapitalismus auf die Art & Weise der Wahrnehmung der Natur ist auch ohne die Ausrichtung auf Krieg eine Form der epistemischen Gewalt.

Kolonialität des Seins, des Wissens und der Macht

Brunner unterteilt epistemische Gewalt auf drei Ebenen: Auf der Mikroebene analysiert sie die Kolonialität des Seins (Brunner 2020, 145 ff.). Konkrete sowie klar benennbare Beispiele hierfür sind Rassismus und Sexismus (Brunner 2020, 132). Hierbei zielt epistemische Gewalt insbesondere auf den Körper & Leib von konkreten Individuen, die diese Gewalt erleiden und/oder ausführen, denn „[i]n den Körper werden Kategorisierungen wie Geschlecht, Sexualität und >Rasse< eingeschrieben“ (Brunner 2020, 275, 277, 278). Auf dieser Ebene artikuliert sich epistemische Gewalt durch das „[1] nicht Gesagte, [2] das Gesagte, aber nicht Gehörte, [3] das Gehörte, aber nicht Verstandene, [4] das Verstandene, aber nicht Anerkannte“, mit den bewussten oder unbewussten Intentionen der Unterdrückung, Unsichtbar-Machung, Ignoranz sowie Gleichgültigkeit (Brunner 2020, 278). Brunner bettet dabei den Leitspruch der Aufklärung „Ich denke, also bin ich“ in das imperiale & koloniale Projekt der Moderne ein und versteht den Satz als „Ich vernichte, also bin ich“ mit der Kehrseite „Ich werde vernichtet, also bin ich nicht“ (Brunner 2020, 283).

Auf der Mesoebene betrachtet sie die Kolonialität des Wissens; darunter fallen die Beschaffenheit & Veränderbarkeit von Wissen unter dem Einfluss von Kapitalismus & Kolonialismus (Brunner 2020, 145 ff.). Diese Betrachtungsebene beschäftigt sich einerseits mit Wissen & ihrer Wirkung, andererseits mit der Produktionsweise, den Distributionswegen und den Konsumptionsgewohnheiten von Wissen (Brunner 2020, 285). Die Wissenschaft spielt dabei eine Rolle bei der Definition, Legitimation sowie Naturalisierung der Gewalt (Brunner 2020, 275). Die Mesoebene beinhaltet auch den wissenschaftlichen Reduktionismus, wie Shiva ihn benannte (Brunner 2020, 287). Ein Beispiel sei die Hierarchisierung & Universalisierung von Sprachen, Sprechweisen sowie schriftlichen Ausdrucksformen (Brunner 2020, 145). Brunner identifiziert auch globalisierte Standardisierungen wie in der (digitalen) Kommunikation als eine Universalisierungsstrategie mit dem Potential epistemischer Gewalt (Brunner 2020, 286).

Auf der Makroebene untersucht Brunner die Kolonialität der Macht, zu der die Wertesysteme und Tendenzen wie zum Beispiel Orientalismus, Eurozentrismus, Okzidentalismus, Kolonialismus, Imperialismus, Kapitalismus, Universalismus gehören (Brunner 2020, 145 ff.). Die Kolonialität der Macht bezieht sich holistisch auf das Projekt der Moderne und mit dem einhergehenden Welt- & Selbstverständnis des Unterteilens, Ordnens und Herrschens (Brunner 2020, 292). An den Begriff des „Genozids“ angelehnt führt Brunner den Begriff „Epistemizid“ ein (vgl. Brunner 2020, 292). Alle drei Ebenen sind miteinander verschränkt und können nicht unabhängig voneinander gedacht werden.

Auf die Frage, ob diese analytische Dreiteilung im Hinblick auf christliche Dogmen eine traditionelle, eurozentrische Ordnungsperspektive in den Wissenschaften reproduzieren würde, würde diese Trias bestehende Anknüpfungspunkte innerhalb der wissenschaftlichen Disziplinen in Erfahrung bringen und sie im Sinne einer Dekolonialisierung reflektieren, so frei nach Brunner (vgl. Brunner 2020, 276).

Epistemische Gewalt umfasst in ihrer Ausführung gegen Rezipient:innen ein Repertoire an bestimmten Rhetoriken: (1) Das Nicht-Gehört-Werden oder das Nicht-Hören wurde bereits von Spivak als Problematik thematisiert, bei der Subalterne keine Stimme erhalten, schlicht unsichtbar sind, und an der Wissensproduktion nicht teilnehmen können (Spivak 2003, 42). (2) Das Zum-Schweigen-Bringen ist repressive Methode unter anderem subalternes Wissen in ihrer Produktion, Distribution sowie Konsumption zu missachten und auszulöschen (vgl. Brunner 2020, 98, 125). (3) Das Ignorieren der Entstehungsbedingungen des (westlichen) Wissens nimmt den Kontext der kolonialen Herrschaft und des Rassismus nicht zur Kenntnis; stattdessen werden Werke aus der Kolonialzeit gehuldigt und in ihren Disziplinen zelebriert (vgl. Brunner 2020, 125). (4) Die Normalisierung und Rechtfertigung von unterschiedlichen Gewaltformen sowie Vorurteilen sorgt für eine stetige Reproduktion von strukturellen & kulturellen Machtverhältnissen und epistemischer Gewalt (vgl. Brunner 2020, 16, 134, 144).

Global gibt es keine gleichmäßige Verteilung epistemischer Gewalt oder Macht über Strukturen, Institutionen, Akteur:innen und Diskurse (Brunner 2020, 274). Wissenschaft & Wissen stehen im Zusammenhang mit asymmetrischen Ungleichheits-, Macht- & Herrschaftsverhältnissen (Brunner 2020, 9). Der imperiale Kolonialismus sowie dessen fortlaufenden Konsequenzen in der Gegenwart bilden das ideologische Vehikel für die materielle sowie geistige Asymmetrie (vgl. Brunner 2020, 274). Das Konzept der Moderne als koloniales Projekt der Entwicklung wurde nicht nur als Wissen unter anderem in Form (westlicher) Inhalte, Epistemologie und Ontologie exportiert; die Moderne manifestierte auch den Westen als das diskursive & struktu[1]relle Zentrum der Wissenschaften, also der eurozentrischen Wissensproduktion, und bediente zugleich die Infrastruktur des Kolonialismus (Brunner 2020, 274). Oft wird der wissenschaftliche Diskurs bis heute noch von weißen Männern, Kolonisatoren sowie lokalen Eliten geführt (u.a. Brunner 2020, 99; vgl. Udupa und Dattatreyan 2023, 96; vgl. Spivak 2003, 52).

Nicht zuletzt basiert epistemische Gewalt auf einer breiten Konzeptionierung des Gewalt-Begriffs (vgl. Brunner 2020, 10, 148–50), mit dem viele Leser:innen vermutlich in erster Linie physische Gewalt verbinden. Nun stellt sich die normative Frage, ob eine Hegemonie in der Wissenschaft als Gewalt bezeichnet werden sollte. Brunner erwidert, dass einerseits die Bestimmung des epistemischen Gewalt-Begriffs aus Perspektive der betroffenen Opfer geschehen sollte, und dass andererseits den sozioepistemischen Umständen der Dynamiken des Verschweigens mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte (Brunner 2020, 97). Die Auflösung der Unterschiede zwischen Macht & Gewalt eröffnet Möglichkeiten einer neuen Sensibilität bei der Betrachtung der epistemischen Zusammenhänge (vgl. Brunner 2020, 15).

Epistemische Gewalt im Kontext der Digitalisierung

Dieses Kapitel identifiziert Formen epistemischer Gewalt im Rahmen intranationaler sowie internationaler Machtverhältnisse am Beispiel der Digitalisierung unter ande[1]rem im postkolonialen Indien. Hierfür verwende ich den oben definierten Begriff der epistemischen Gewalt und ermittle sie ausschließlich in der Literatur von Sahana Udupa und Ethiraj Gabriel Dattatreyan im Kontext der Digitalisierung.

Intranationale Machtverhältnisse

Der Prozess der Digitalisierung wurde zur Jahrhundertwende unter der Rubrik der Demokratisierung begriffen, nicht zuletzt weil das Internet sowie die Informations- & Kommunikationstechnologien allen Nutzer:innen eine Chance zur Teilnahme ermöglichten, ja, eine Stimme verliehen, und westliche Werte propagierten. Im Hinblick auf die Digitalisierung in der Volksrepublik China erwartete der Westen, dass der autokratische Staat sich der freien Meinungsäußerung durch die Medienlandschaft beugen müsse. Ganz im Gegenteil gelang es der chinesischen Regierung das Internet und die Medien in ihrem Land durch die sogenannte „Great Fire Wall“ zu beherrschen, um unter anderem Inhalte zu zensieren (Franz u. a. 2022; Knödler und Dér-Hörmeyer 2023). Ähnliche Tendenzen lassen sich auch im postkolonialen Indien beobachten: Der Hindu-nationalistischen, konservativen Bharatiya Janata Party (BJP) wird vorgeworfen digitale Praxen zu Propaganda-Zwecken gegen religiöse Minderheiten zu verwenden und ebenfalls bestimmte Inhalte zu zensieren (vgl. Udupa und Dattatreyan 2023, 97 ff.). Eine traurige Ironie besteht darin, dass die indische Regierung aus politischen Motiven sich von kolonialen Praxen inspirieren ließ und sie r[1]pliziert, um einerseits eine Homogenisierung der hinduistischen Gemeinschaft zu provozieren und andererseits muslimische Minderheiten zu exkludieren (vgl. Udupa und Dattatreyan 2023, 120, 122).

Die Einführung des Citizenship Amendment Act (CAA) in 2019 legitimiert die Deportation oder Einsperrung von illegalen Immigrant:innen in Indien, garantiert jedoch gewisse Mäßigungen gegenüber Hindus, Sikh, Buddhist:innen, Jains, Parsi und Christ:innen; allerdings diskriminiert es muslimische Minderheiten ohne zureichende Aufenthaltsgenehmigungen oder Dokumentation (BBC News 2019; Udupa und Dattatreyan 2023, 119–20). Neben der Zensur von zum Beispiel oberkörperfreien Männern, das Rauchen, usw. in den indischen Medien für den Erhalt kultureller Normen, wurde auch die Sichtbarkeit der Proteste gegen das CAA im Dezember 2019 reduziert und schließlich zensiert (Udupa und Dattatreyan 2023, 120). Desinformationskampagnen sowie Fake News während der Covid-Pandemie und Social Media Kampagnen der politischen Parteien verstärken das Problem einer zunehmenden Islamophobie in Indien (Udupa und Dattatreyan 2023, 121). Diese digitalen Praxen zum Zwecke der Diskriminierung einer marginalisierten Bevölkerungsgruppe fallen in die Kategorie der epistemischen Gewalt, unter der Voraussetzung, dass koloniale Machtstrukturen als Ausgangspunkt betrachtet werden. Epistemische Gewalt sei ein Kampfbegriff insbesondere mit Blickrichtung gen Westen im Sinne des Kolonialismus.

Internationale Machtverhältnisse

Während die Anwendung des Begriffs der epistemischen Gewalt im politischen Rahmen Indiens komplizierter ist, besteht diese Gewalt weiterhin in kolonialen Strukturen über internationale, ökonomische Verhältnisse.

Die Digitalisierung als Teil des Projekts der Moderne oder Modernisierung bedient tiefe Strukturen des Kolonialismus und beinhaltet epistemologische sowie ontologische Dimensionen in Form von digitalen Praxen der Datenverarbeitung, wie zum Beispiel die Art und Weise der Kategorisierung, Klassifikation, Ordnung der Daten durch westliche Taxonomien für den Zweck der Vorhersagen von (Konsument:innen- )Verhalten (u.a. vgl. Ali 2016; Udupa und Dattatreyan 2023, 105–6). Skeptiker:innen des Kolonialismus könnten behaupten, dass die effizienten Praktiken des Kapitalismus, die sich unter anderem in der Kommerzialisierung personenbezogener Daten oder in der Universalität der Programmiersprachen widerspiegelt, nicht allein dem Westen gehören, sondern von Ländern des globalen Südens freiwillig angeeignet werden, um von den Vorteilen der Konsumwirtschaft zu profitieren. Diese Behauptung wäre gerechtfertigt, wenn es weder ökonomische noch materielle Asymmetrien zwischen dem Westen und Ländern des globalen Südens gäbe, die sich in der Form der Datenverhältnisse äußert. Mit dem Konzept des „Captur[ing]“ portraitiert Udupa nicht nur ein ökonomisches Machtgefälle, das durch den Kapitalismus induziert wird, sondern auch eine strukturelle Problematik der aktuellen Data-Relations, die an den historischen Kolonialismus erinnern (vgl. Udupa und Dattatreyan 2023, 97 ff.). Angesichts des Silicon Valleys als Zentrum der digitalen Entwicklung & Forschung, legt Udupa Parallelen offen, in der Praxis der Aneignung zwischen dem historischen Kolonialismus und der heutigen Situation: Während die Kolonialmächte sich unter anderem Objekte aneigneten und in Museen ausstellten, so sammeln heute auch westliche Konzerne personenbezogene Daten systematisch ohne Wissen oder Zustimmung der Nutzer:innen (Udupa und Dattatreyan 2023, 98–100). Im Folgenden erörtere ich einige Ebenen der epistemischen Gewalt im Kontext der Digitalisierung:

(A) Es bedarf keiner ausgeklügelten Argumentation, Überwachung, also die Inbesitznahme menschlicher Erfahrungen durch Big-Data Konzerne über digitale Technologien, als epistemische Gewalt zu verstehen: Personenbezogene Daten werden doch gerade als „proprietary behavioral surplus“ verwendet, um Maschinenintelligenz zu füttern, Konsument:innenverhalten von Individuen & Gruppen zu analysieren, vorherzusagen und zu modifizieren (Udupa und Dattatreyan 2023, 99). Diese Kapitalisierung des Lebens als „Reality Mining“ (Udupa und Dattatreyan 2023, 100, 102) zielt auf den individuellen Körper der Benutzer:innen auf der Mikroebene, reproduziert & normalisiert sich in Wissenschaft & Ökonomie auf der Mesoebene und propagiert gleichzeitig ein ideologisches Wertesystem auf der Makroebene. Diese einseitige Überwachung bewirkt epistemische Gewalt durch die Gleichgültigkeit & das Ignorieren der Entstehungsbedingungen der Abhängigkeitsverhältnisse.

(B) Das System des Kapitalismus bedient globale (Arbeits-)Märkte, die aus historischer Perspektive aufgrund des Einflusses des imperialen Kolonialismus unter anderem materiell asymmetrisch sind; der Zugriff auf billige Arbeitskräfte in Ländern des globalen Südens erlaubt eine differenzierte Arbeitsteilung zwischen einfachen und komplexen Arbeiten. Kapitalismus ohne politische Einschränkungen führte zu Ausbeutung, zur Entstehung eines digitalen Proletariats und zur Reproduktion einer weißen, männlichen Tech-Elite (vgl. Udupa und Dattatreyan 2023, 96). Im Hinblick auf die latente Korrelation zwischen Rasse einerseits und Arbeit, Hierarchie sowie (Arbeits-)Risiko andererseits (Udupa und Dattatreyan 2023, 108), entsteht epistemische Gewalt durch die Arbeitsteilung, in der eine weiße Elite das moralische Zentrum bilden und Subalterne in Armut verweilen. Auch hier greift die Arbeitsteilung den individuellen Körper auf der Mikroebene an, naturalisiert die globalen Arbeitsverhältnisse durch eine kapitalistische Logik auf der Mesoebene und bestätigt den strukturellen Rassismus unter anderem auf eine materielle Weise auf der Makroebene. Auf den drei Ebenen sind Arbeiter:innen dieser epistemischen Gewalt schutzlos ausgeliefert, zumal ihre Einwände und Proteste nicht gehört werden.

(C) Im System der Datenverarbeitung gibt es keine gleichmäßige, uniforme Beeinflussung der Menschen; ganz im Gegenteil befördern Algorithmen, wie Suchmaschinen sowie andere Informationsinfrastrukturen, Diskrimination und Rassismus (Udupa und Dattatreyan 2023, 105–6). Algorithmen sowie Künstliche Intelligenz sind niemals neutral, sondern Produkt der sozialen, technischen sowie politischen Entscheidungen und Trainingsdaten (O’Neil 2017; Udupa und Dattatreyan 2023, 105–6). Marketing Kampagnen sprechen zum Beispiel schwarze Bevölkerungsgruppen direkt an durch Werbeanzeigen mit schwarzen Darsteller:innen, um neue Märkte zu erschließen und/oder ein „hippes“ Image zu kreieren; doch durch die bewusste Verwendung von Rasse, Ethnizität sowie Gender erschaffen, replizieren und bestätigen sie beständige, konstante Charakteristiken, die gemessen, gehandelt und verkauft werden können (Udupa und Dattatreyan 2023, 106). Rassismus und Diskriminierung, die auf der Mikroebene den individuellen Körper adressiert, wird auf der Mesoebene ohne Möglichkeit der Veränderbarkeit durch Subalterne in einen Code eingeschrieben, der auf der Makroebene ein veraltetes Wertesystem bestätigt, naturalisiert und wiederum zu Konsumzwecken distribuiert.

Ein allgemeines Dilemma empfinde ich jedoch bei der Repräsentation von sowie im Umgang mit Minderheiten: Sollten im Sinne des Multikulturalismus (Kymlicka 1990, 327 ff.) Minderheiten „nicht trotz ihrer Unterschiede gleich, sondern wegen dieser Unterschiede verschieden“ behandelt werden (Malik 2018) oder sollten die beständigen Charakteristiken, Rasse, Ethnizität und Gender, auf ihre realen Umstände durch ein sogenanntes „Woke Washing“ künstlich ignoriert werden (siehe Joe 2023)? In beiden Fällen entstehen eben diese Charakteristiken. In der Ökonomie wird die Problematik leider nicht reflektiert. Rassismus oder Diskriminierung, die durch Algorithmen induziert wird, verursacht epistemische Gewalt, indem Rassismen festgeschrieben sowie naturalisiert werden, auf die subalterne Personen rückwirkend keinen Ein[1]fluss nehmen können. Dabei wird oft der Diskurs über, statt mit Minderheiten geführt.

(D) Online Kommunikationsplattformen werden oft zur Verbreitung von Hass und Gewalt verwendet (Udupa und Dattatreyan 2023, 118). In der KI-assistierten Content Moderation ist es bisher nicht möglich die Standards der Schutzmechanismen & Maßnahmen für Minderheiten einzuhalten zur Erkennung sowie Prävention von Extreme Speech auf sozialen Plattformen (Udupa und Dattatreyan 2023, 117). KI-Assistenten sind aufgrund ihrer Trainingsdaten auf ökonomisch-einflussreiche Sprachen limitiert und bringen daher im digitalen Kommunikationsraum den unerwünschten Nebeneffekt vieler Blindspots, sodass „not all hate speech is treated equally“ (Udupa und Dattatreyan 2023, 114, 117). Soziale Plattformen verursachen epistemische Gewalt auch an den Stellen, an denen sie die Kontrolle über ihre Funk[1]tionen verlieren; sie geben als Teilverantwortliche auf der Mesoebene der Wissens[1]produktion den Hassreden eine Distributionsbasis. Insbesondere etabliert sich epis[1]temische Gewalt gegenüber vulnerablen Minderheiten auf der Mikroebene, wenn sie dieser ausgesetzt sind und sich aufgrund ihrer Position nicht wehren können. Soziale Plattformen, die intranationale Konflikte austragen, besitzen eine Teilschuld an Effekten, wie die Bestätigung & Naturalisierung von Rassismus & Diskriminierung auf der Makroebene. Weniger problematisch in der Situation der Ohnmacht ist die Fähigkeit des zum-Schweigen-bringens, als der Effekt, dass Minderheiten im digitalen Diskurs nicht gehört werden und Nachteile erfahren Missstände effektiv zu melden (vgl. Udupa und Dattatreyan 2023, 117).

Schluss

Mit der Verwendung des Marxschen Ideologie-Begriffs (Bluhm und Bohlender 2010) für die Beschreibung des imperialen Kolonialismus lässt sich dessen Dynamik vergewissern: der Kolonialismus zielt auf Reproduktion, Legitimierung sowie Naturalisierung von Ungleichheits- und Herrschaftsverhältnissen (Brunner 2020, 274–75). Der Kapitalismus ist neben dem Kolonialismus das Instrument der Ausführung, das einer inneren Logik folgt, in der unter anderem eine rationalistische Denkweise (Keilhack 2023) die Natur aus Effizienz-Gründen auf ein lebloses Objekt reduziert (Shiva 1987) oder als wertlose Materie objektifiziert (vgl. Marx 1962, 55); dieser Objektivierungsprozess als evaluatives Moment wird über die Arbeitsteilung in Länder des globalen Südens outgesourct (Hornborg 2014, 132). Der Kapitalismus nimmt somit Einfluss auf die Wahrnehmung der & Beziehung zur Natur. Kolonialismus und Kapitalismus bilden zusammen eine Infrastruktur der Extraktion & Auferlegung; sie stehen im Mittelpunkt der feministischen, post-kolonialen Kritik sowie in den Debatten um den Begriff der epistemischen Gewalt (Brunner 2020, 144).

+++ English Version +++

Epistemic Violence in the Context of Digitalization

Introduction

This term paper examines the question within the framework of decolonization to what extent epistemic violence manifests itself in the context of digitalization, influenced by the persistent effects of colonialism and the myth of a violence-free science. Here, digitalization is considered as a project of modernity, while the concept of epistemic violence and its origins are elucidated. Special attention is paid to identifying epistemic violence in connection with digitalization. The aim of this paper is to draw attention to a form of violence that is discussed in the discipline of anthropology and postmodern feminist science criticism. This term paper was developed within the seminar „Current Debates in Anthropology“ under the guidance of Prof. Dr. Sahana Udupa in the winter semester 23/24.

Digitalization in the Project of Modernity

Digitalization in countries of the Global South is not only part of modernization but also a déjà vu of the modernity movement with a colonial undertone. Modernity, as a project of development, has been executed through the structures of capitalism and imperial colonialism. Modernity is not completed and continues to this day, especially in the domains of science or economics. This chapter intends to (I) present the Cartesian dualism as part of the specific logic of capitalism, (II) highlight the materiality of the internet, and (III) outline the impacts and extents of (global) division of labor. (I), (II), (III) describe far-reaching elements that establish a power imbalance and material asymmetry between countries of the Global South and the West, often evading criticism in the sciences. They serve as the starting point for epistemic violence.

(I) Modernity is based on the so-called Cartesian paradigm—a way of thinking originating in Western philosophy that lays the foundation of capitalism. This paradigm is illuminated in literature from various perspectives (including Hall 1995; Latour 2000; Moore 2015; Hornborg 2014; Keilhack 2023). It includes, among other things, the dualism between body and mind, nature and culture, object and subject, thus also a separation between objects and their relationship to a moral system (see Hornborg 2014, 124). Relevant to this paper is somewhat the invention of the „object“ as a material, empirically experiential, and intrinsically meaningless thing, whose mode of observation in the sciences is also known as „objectivism“ (Hornborg 2014, 125). The problem lies in the object’s decontextualization, rendering the capitalist economic system morally neutral (Hornborg 2014, 125, 134). The excessive consumption of resources and exploitation of human labor are denied through objectification (Hornborg 2014, 134) and transformed into a hieroglyph under the rubric of the so-called commodity fetishism (Marx 1962, 88). The Cartesian paradigm was integrated into peripheral areas of the Global South not least due to the dominance of the capitalist system and the penetration of colonialism, successfully outsourcing the evaluation and objectification of nature in resource acquisition (see Hornborg 2014, 132–33). Based on Cartesian dualism, Jason Moore considers capitalism as an ecological regime, a so-called „Capitalocene,“ as it organizes nature in an epistemic and ontological manner (Moore 2015).

(II) Digitalization belongs to the zeitgeist and project of modernity, referring to the development of digital information and communication technologies (DICT). It is important to understand that the internet is not immaterial, as the concept of a substanceless cloud might evoke, but is based on material pillars of DICT, DICT infrastructure, and data centers (see Grünwald and Caviezel 2022). The ecological footprint of the internet comprises resources for the manufacture of DICT and infrastructure and the energy consumption of the entire digital ecosystem (see Höfner and Frick 2019). The ecological footprint, referring to CO2 emissions, varies depending on the geographical location and local power mix (Siddik, Shehabi, and Marston 2021; Kamiya 2020). Although energy efficiency globally increases on average (Kamiya 2020), the so-called rebound effect entails that overall consumption and energy usage also grow (Carré 2018, 110). The USA hosts 30% of all data centers worldwide (Siddik, Shehabi, and Marston 2021) and holds a leading position in the domain of digitalization with Silicon Valley (Udupa and Dattatreyan 2023). Further research is needed to demonstrate a material power asymmetry between the West and the Global South in the context of colonialism.

(III) Modern technologies, such as information and communication technologies, shape and organize the form of (global) society (Hornborg 2014, 123). Digital development and progress are usually associated with efficiency in working conditions and an increase in speed in everyday life, thus saving space and time: computers are getting smaller, and digital tools shorten work steps through software applications and AI with ever-increasing interconnectivity. Hornborg argues that the saving of space and time always occurs at the expense of natural space and working time elsewhere (Hornborg 2014, 122, 130). With a Marxist approach, he holistically considers the entire value chain of digital devices, including the resources and labor times needed for the development and maintenance of digital infrastructure. The modern economic system is based on strategies to transform land and labor, which costs differently in various parts of the world market (Hornborg 2014, 122). Imperial colonialism can thus be understood as an appropriation of space and time, where a larger quantum of production space and work hours is exchanged for a smaller one, legitimized by capitalist logic (see Hornborg 2014, 122).

Capitalism gains transnational access to labor markets in countries of the Global South where cheap labor is available. This allows for the outsourcing of simple labor. Udupa describes Arvato’s online content moderation to prevent hate speech in Western social media for Facebook (Udupa and Dattatreyan 2023, 109 ff.). The workforce mostly consists of young, educated, multilingual, and cheap migrant workers who perform simple, repetitive, and monotonous work (Udupa and Dattatreyan 2023, 109, 112). Their working conditions could be described with Marx’s term of human alienation; they also remain mostly opaque to outsiders (Udupa and Dattatreyan 2023, 112). Although the assignment of work depends on linguistic competencies and local knowledge of cultures, the division of labor creates the impression that influential elites and the digital proletariat asymmetrically congregate along the originally colonial axis (Udupa and Dattatreyan 2023, 108 ff.).

Concept of Epistemic Violence

The etymology of the word „epistemic“ traces back to the Greek word „episteme,“ meaning „knowledge.“ It thus refers to phenomena or concepts associated with the acquisition, structure, and validation of knowledge. In contrast, epistemology as a philosophical discipline focuses on a more specific concept within the epistemic framework, concentrating on the theoretical foundation of knowledge. Regarding the distinction between epistemological and epistemic violence, Brunner notes that epistemological violence regards knowledge production as an isolated epistemological, purely academic problem (Brunner 2020, 79). While epistemological violence pertains to a specific form of violence in assessing scientificity, the concept of epistemic violence focuses on a hierarchization of knowledge by colonialism and capitalism (Brunner 2020, 78–79), as we will see later.

The concept of epistemic violence is employed in peace and conflict studies, feminist science criticism, and post- and decolonial theory, often without elaboration or theorization (Brunner 2020, 77–78). It finds its origin in feminist-postcolonial discourses by Gayatri Chakravorty Spivak in her work „Can the Subaltern Speak?“ (1985) (Brunner 2020, 77, 97 ff. Spivak 2003, 48 ff.). Here, Edward Said’s work „Orientalism“ served as a foundation for the feminist approach, and Foucault’s analyses of violence through European modernity also contributed (Brunner 2020, 97, 124). In contrast to Foucault, Spivak abolishes the distinction between power and violence (Brunner 2020, 99). The feminist-postcolonial debates on the concept of epistemic violence initially aim to debunk the myth of a violence-free science: while science may seem to be the opposite of or the antidote to violence, the broader the concept of violence is understood, the more indications there are that science itself is part of the problem and violence (Brunner 2020, 13, 148).

While Spivak deals with colonialism, Vandana Shiva in her work „The Violence of Reductionist Science“ focuses on capitalism. In earlier articles, I myself (albeit naively) addressed the connection between capitalism and the dominance of a rationalistic paradigm with reductionist features (Keilhack 2023), and therefore find her contribution relevant. Both colonialism and capitalism constitute a formative ideology that, among other things, governs the framework of knowledge production and thereby causes epistemic violence. In this chapter, the texts of Spivak and Shiva will be presented to locate the origin of the concept of epistemic violence before summarizing its characteristics and properties with the help of Claudia Brunner.

„Can the Subaltern Speak?“

The starting point of the essay „Can the Subaltern Speak?“ (1988) is the suicide of the sister of Bhubanesware Bhaduri’s grandmother, known as widow self-immolation in the context of colonial India, as an expression of resistance for national liberation (Spivak 2003, 58; Brunner 2020, 98). Spivak observes a hegemonic correlation between knowledge and violence, in which patriarchal, colonial, and local elites dominate knowledge production and science (Brunner 2020, 99). The widow self-immolation, as a sign against British colonial rule, was reinterpreted in the colonial knowledge hegemony by trivializing it as „the women wanted to die,“ undermining even the last protest attempt by women (Spivak 2003, 48–54). Spivak questions whether and ultimately argues against the idea that subalterns and women generally have the ability to speak for themselves (Spivak 2003; Brunner 2020, 100). A subaltern (Latin: subalternus, „subordinate“, „of lower rank“) is a person „without the flight line of social mobility“ (Spivak 2003, 42), thus trapped in societal structures without upward mobility opportunities. In feminist criticism of Eurocentrism, the subaltern is involuntarily elevated to an autonomous subject capable of representing themselves (Brunner 2020, 100). The assertion of the subaltern’s ability to speak for themselves is a romanticized notion and would ignore imperialism, racism, and discrimination in historical as well as contemporary situations (see Spivak 2003; Brunner 2020, 100).

According to Spivak, epistemic violence is the conscious exclusion of socially disadvantaged individuals from knowledge production under the repressive system of colonialism, the consequences of which persist to the present day (see Spivak 2003). Colonial knowledge hegemony especially results in the erasure of certain subjects, their invisibility, and the production of the social, while simultaneously aiming at the reproduction and normalization of violence and oppression (Spivak 2003, 48, 50; Brunner 2020, 98–99).

„The Violence of Reductionist Science“

In her work „The Violence of Reductionist Science“ (1987), Vandana Shiva examines the material aspect of epistemic violence arising from the system of capitalism (see Shiva 1987; Brunner 2020, 101 ff.). Epistemic violence is brought about by a scientific reductionism that correlates with capitalism as a form of economic organization and promotes exploitation, profit maximization, and capital accumulation (Shiva 1987, 246; Brunner 2020, 102). This reductionism refers, on the one hand, to humans‘ ability to perceive nature, disregarding alternative ways of knowledge; on the other hand, it pertains to nature’s ability to recover and regenerate, treating nature as an inanimate object (Shiva 1987, 244; Brunner 2020, 102). Capitalism, through its paradigm of efficiency, would conceive a universal, value-neutral knowledge system (Shiva 1987, 246; Brunner 2020, 102). Shiva problematizes the dualism between natural sciences and politics, i.e., between material facts and values; she finds the origin of dualism in the Cartesian paradigm (see Shiva 1987, 245–46). In the context of imperialism and knowledge monopolies geared toward war, epistemic violence manifests in such a way that bearers, objects, recipients, and knowledge itself are harmed (see Brunner 2020, 103; Shiva 1987, 243–44). The epistemic and ontological influence of capitalism on the perception of nature is also a form of epistemic violence, even without a focus on war.

Coloniality of Being, Knowledge, and Power

Brunner divides epistemic violence into three levels: At the micro level, she analyzes the coloniality of being (Brunner 2020, 145 ff.). Concrete and clearly identifiable examples of this are racism and sexism (Brunner 2020, 132). Epistemic violence here particularly targets the bodies and physical beings of individuals who experience and/or perpetrate this violence because „[c]ategorizations such as gender, sexuality, and ‚race‘ are inscribed into the body“ (Brunner 2020, 275, 277, 278). At this level, epistemic violence is articulated through the „[1] unsaid, [2] said but unheard, [3] heard but not understood, [4] understood but not acknowledged,“ with conscious or unconscious intentions of suppression, invisibility, ignorance, and indifference (Brunner 2020, 278). Brunner embeds the maxim of the Enlightenment „Cogito, ergo sum“ into the imperial and colonial project of modernity and understands the phrase as „I destroy, therefore I am“ with the flip side „I am destroyed, therefore I am not“ (Brunner 2020, 283).

At the meso level, she examines the coloniality of knowledge, which encompasses the nature and changeability of knowledge under the influence of capitalism and colonialism (Brunner 2020, 145 ff.). This level of analysis deals with both the nature and effects of knowledge, as well as the modes of production, distribution, and consumption of knowledge (Brunner 2020, 285). Science plays a role in defining, legitimizing, and naturalizing violence (Brunner 2020, 275). The meso level also includes scientific reductionism, as named by Shiva (Brunner 2020, 287). An example is the hierarchization and universalization of languages, modes of speech, and written expressions (Brunner 2020, 145). Brunner also identifies globalized standardizations, such as in (digital) communication, as a strategy of universalization with the potential for epistemic violence (Brunner 2020, 286).

At the macro level, Brunner examines the coloniality of power, which includes value systems and tendencies such as Orientalism, Eurocentrism, Occidentalism, colonialism, imperialism, capitalism, and universalism (Brunner 2020, 145 ff.). The coloniality of power refers holistically to the project of modernity and the accompanying worldviews and self-understandings of division, order, and domination (Brunner 2020, 292). Drawing on the concept of „genocide,“ Brunner introduces the term „epistemicide“ (see Brunner 2020, 292). All three levels are intertwined and cannot be thought of independently from each other.

Regarding whether this analytical triad would reproduce a traditional, Eurocentric order perspective in the sciences with regard to Christian dogmas, this triad would explore existing points of connection within scientific disciplines and reflect on them in terms of decolonization, according to Brunner (see Brunner 2020, 276).

In its execution against recipients, epistemic violence encompasses a repertoire of specific rhetorics: (1) Not being heard or not being listened to has already been addressed by Spivak as an issue where subalterns receive no voice, are simply invisible, and cannot participate in knowledge production (Spivak 2003, 42). (2) Silencing is a repressive method, among others, to disregard and erase subaltern knowledge in its production, distribution, and consumption (see Brunner 2020, 98, 125). (3) Ignoring the conditions of the emergence of (Western) knowledge fails to acknowledge the context of colonial rule and racism; instead, works from the colonial era are honored and celebrated in their disciplines (see Brunner 2020, 125). (4) Normalizing and justifying different forms of violence and prejudices lead to a constant reproduction of structural and cultural power dynamics and epistemic violence (see Brunner 2020, 16, 134, 144).

Globally, there is no uniform distribution of epistemic violence or power across structures, institutions, actors, and discourses (Brunner 2020, 274). Science and knowledge are related to asymmetrical inequalities, power, and domination (Brunner 2020, 9). Imperial colonialism and its ongoing consequences in the present form the ideological vehicle for material and intellectual asymmetry (see Brunner 2020, 274). The concept of modernity as a colonial project of development was not only exported as knowledge in the form of (Western) content, epistemology, and ontology; modernity also manifested the West as the discursive and structural center of sciences, that is, Eurocentric knowledge production, while also serving the infrastructure of colonialism (see Brunner 2020, 274). The scientific discourse is often still led by white men, colonizers, and local elites (see, among others, Brunner 2020, 99; see Udupa and Dattatreyan 2023, 96; see Spivak 2003, 52).

Lastly, epistemic violence is based on a broad conception of violence (see Brunner 2020, 10, 148–50), which many readers likely primarily associate with physical violence. Now the normative question arises of whether hegemony in science should be referred to as violence. Brunner responds that, on the one hand, the determination of the concept of epistemic violence should be made from the perspective of the affected victims and, on the other hand, that more attention should be paid to the socioepistemic circumstances of the dynamics of concealment (see Brunner 2020, 97). Dissolving the differences between power and violence opens up opportunities for a new sensitivity in examining epistemic relationships (see Brunner 2020, 15).

Epistemic Violence in the Context of Digitalization

This chapter identifies forms of epistemic violence within intranational and international power dynamics using the example of digitalization, particularly in postcolonial India. For this purpose, I utilize the above-defined concept of epistemic violence and exclusively examine it in the literature of Sahana Udupa and Ethiraj Gabriel Dattatreyan in the context of digitalization.

Intranational Power Dynamics

The process of digitalization was understood at the turn of the century under the rubric of democratization, not least because the internet and information & communication technologies enabled all users to participate, even giving them a voice, and propagated Western values. Regarding digitalization in the People’s Republic of China, the West expected the autocratic state to bow to freedom of expression through the media landscape. On the contrary, the Chinese government managed to control the internet and media in their country through the so-called „Great Firewall,“ censoring content, among other things (Franz et al. 2022; Knödler and Dér-Hörmeyer 2023). Similar tendencies can also be observed in postcolonial India: The Hindu nationalist, conservative Bharatiya Janata Party (BJP) is accused of using digital practices for propaganda purposes against religious minorities and also censoring certain content (see Udupa and Dattatreyan 2023, 97 ff.). A sad irony is that the Indian government, for political reasons, drew inspiration from colonial practices and replicated them to provoke the homogenization of the Hindu community on one hand and to exclude Muslim minorities on the other hand (see Udupa and Dattatreyan 2023, 120, 122).

The introduction of the Citizenship Amendment Act (CAA) in 2019 legitimizes the deportation or imprisonment of illegal immigrants in India but guarantees certain accommodations for Hindus, Sikhs, Buddhists, Jains, Parsis, and Christians; however, it discriminates against Muslim minorities without sufficient residence permits or documentation (BBC News 2019; Udupa and Dattatreyan 2023, 119–20). In addition to censoring, for example, topless men, smoking, etc., in Indian media to maintain cultural norms, the visibility of protests against the CAA in December 2019 was also reduced and eventually censored (Udupa and Dattatreyan 2023, 120). Disinformation campaigns and fake news during the Covid pandemic and social media campaigns by political parties exacerbate the problem of increasing Islamophobia in India (Udupa and Dattatreyan 2023, 121). These digital practices aimed at discriminating against a marginalized population fall into the category of epistemic violence, provided that colonial power structures are considered as the starting point. Epistemic violence is a contentious term, particularly with a focus on the West in the context of colonialism.

International Power Dynamics

While the application of the concept of epistemic violence in the political framework of India is complex, this violence persists within colonial structures through international economic relations. Digitalization, as part of the project of modernity or modernization, taps into deep structures of colonialism and encompasses epistemological and ontological dimensions in the form of digital practices of data processing, such as the way data is categorized, classified, and ordered through Western taxonomies for the purpose of predicting consumer behavior (see, e.g., Ali 2016; Udupa and Dattatreyan 2023, 105–6). Critics of colonialism might argue that the efficient practices of capitalism, reflected, for example, in the commodification of personal data or the universality of programming languages, do not solely belong to the West but are voluntarily adopted by countries of the global South to benefit from the advantages of consumer economy. This assertion would be justified if there were no economic or material asymmetries between the West and countries of the global South, which manifest in the form of data relations. With the concept of „captur[ing],“ Udupa portrays not only an economic power imbalance induced by capitalism but also a structural problem of current data relations reminiscent of historical colonialism (see Udupa and Dattatreyan 2023, 97 ff.). Given Silicon Valley’s position as the center of digital development and research, Udupa exposes parallels between the historical colonialism and the current situation in the practice of appropriation: While colonial powers appropriated objects and displayed them in museums, today Western corporations systematically collect personal data without users‘ knowledge or consent (Udupa and Dattatreyan 2023, 98–100). Below, I discuss some levels of epistemic violence in the context of digitalization:

(A) There is no need for sophisticated argumentation to understand surveillance, i.e., the seizure of human experiences by big-data corporations through digital technologies, as epistemic violence: Personal data is precisely used as „proprietary behavioral surplus“ to feed machine intelligence, analyze, predict, and modify consumer behavior of individuals and groups (Udupa and Dattatreyan 2023, 99). This capitalization of life as „reality mining“ (Udupa and Dattatreyan 2023, 100, 102) targets the individual body of users at the micro level, reproduces and normalizes itself in science and economy at the meso level, and simultaneously propagates an ideological value system at the macro level. This one-sided surveillance causes epistemic violence through indifference and ignoring the conditions of dependency.

(B) The capitalist system serves global (labor) markets, which, from a historical perspective, are materially asymmetric due to the influence of imperial colonialism, among other things; access to cheap labor in countries of the global South allows for a differentiated division of labor between simple and complex tasks. Capitalism without political restrictions led to exploitation, the emergence of a digital proletariat, and the reproduction of a white, male tech elite (see Udupa and Dattatreyan 2023, 96). Considering the latent correlation between race on one hand and work, hierarchy, and (labor) risk on the other hand (Udupa and Dattatreyan 2023, 108), epistemic violence arises through division of labor, where a white elite forms the moral center and subalterns remain in poverty. Here again, division of labor attacks the individual body at the micro level, naturalizes global labor relations through a capitalist logic at the meso level, and confirms structural racism, among other things, in a material way at the macro level. On all three levels, workers are exposed to this epistemic violence without protection, especially since their objections and protests are not heard.

(C) In the system of data processing, there is no uniform, equal influence on people; on the contrary, algorithms, such as search engines and other information infrastructures, perpetuate discrimination and racism (Udupa and Dattatreyan 2023, 105–6). Algorithms and artificial intelligence are never neutral but products of social, technical, and political decisions and training data (O’Neil 2017; Udupa and Dattatreyan 2023, 105–6). For example, marketing campaigns directly target black populations through advertisements featuring black actors to tap into new markets and/or create a „hip“ image; yet, through the deliberate use of race, ethnicity, and gender, they create, replicate, and confirm enduring, constant characteristics that can be measured, traded, and sold (Udupa and Dattatreyan 2023, 106). Racism and discrimination addressed at the individual body on the micro level are inscribed into a code on the meso level without the possibility of change by subalterns, confirming an outdated value system on the macro level, naturalizing it, and distributing it again for consumption.

However, I perceive a general dilemma regarding the representation of and dealing with minorities: Should minorities be treated „not despite their differences the same but because of these differences differently“ in line with multiculturalism (Kymlicka 1990, 327 ff.), or should the enduring characteristics of race, ethnicity, and gender be artificially ignored through a so-called „woke washing“ (see Joe 2023)? In both cases, these characteristics emerge. Unfortunately, this issue is not reflected in the economy. Racism or discrimination induced by algorithms causes epistemic violence by fixing and naturalizing racism, which subaltern individuals cannot influence retroactively. Often, discourse is conducted about minorities rather than with them.

(D) Online communication platforms are often used to spread hatred and violence (Udupa and Dattatreyan 2023, 118). In AI-assisted content moderation, it is currently not possible to adhere to the standards of protective mechanisms and measures for minorities for the detection and prevention of extreme speech on social platforms (Udupa and Dattatreyan 2023, 117). AI assistants are limited to economically influential languages due to their training data and therefore bring unwanted side effects of many blind spots in the digital communication space, so that „not all hate speech is treated equally“ (Udupa and Dattatreyan 2023, 114, 117). Social platforms also cause epistemic violence where they lose control over their functions; as partial responsible parties on the meso level of knowledge production, they provide a distribution basis for hate speech. Epistemic violence particularly establishes itself against vulnerable minorities on the micro level when they are exposed to it and cannot defend themselves due to their position. Social platforms that mediate intranational conflicts bear partial responsibility for effects such as the confirmation and naturalization of racism and discrimination on the macro level. Less problematic in the situation of powerlessness is the ability to silence, as the effect that minorities are not heard in digital discourse and experience disadvantages in effectively reporting grievances (see Udupa and Dattatreyan 2023, 117).

Conclusion

By using Marx’s concept of ideology (Bluhm and Bohlender 2010) to describe imperial colonialism, its dynamics can be reassured: colonialism aims at the reproduction, legitimization, and naturalization of unequal power relations (Brunner 2020, 274–75). Capitalism, alongside colonialism, serves as the instrument of execution, following an internal logic where, among other things, a rationalistic mindset (Keilhack 2023) reduces nature to an inanimate object for efficiency reasons (Shiva 1987) or objectifies it as worthless matter (cf. Marx 1962, 55); this objectification process as an evaluative moment is outsourced through division of labor to countries in the Global South (Hornborg 2014, 132). Capitalism thus influences perception of and relationship with nature. Colonialism and capitalism together form an infrastructure of extraction and imposition; they are at the center of feminist, post-colonial criticism, and debates on the concept of epistemic violence (Brunner 2020, 144).


Autor & Redaktion: Felix Keilhack (LMU)